WAS MAN MIT SICH TRÄGT


Die Ausstellung WAS MAN MIT SICH TRÄGT wird in dem Leporello dokumentiert. Für jeden der teilnehmenden Künstler:innen ist ein eigenes Leporello entstanden. Zwei Generationen Künstlerinnen und ihre Künstlerkinder haben in der Ausstellung  besondere Themen  beleuchtet.
Die Synergien entstanden zwischen Werken der Bildhauerinnen Petra Siering/Mira Siering und des sich der Malerei widmenden Künstlerpaares Niklas Hock/Ines Hock.
Es wurden offene und verborgene Beziehungen, Wahlverwandtschaften und echte Verwandtschaften neu definiert.

Die lesenswerte Texte für jede der vier Positionen, die in jeweils einem eigenen Leporello dargestellt sind, hat Veronika Mehlhart, Kunsthistorikerin verfasst.

WAS MAN MIT SICH TRÄGT | Ines Hock Leporello -PDF

Die Ausstellung WAS MAN MIT SICH TRÄGT in der Städtischen Ga-

lerie im Park Viersen (15.03.-26.04.2026) rückt die direkte Interaktion

zwischen Künstlerinnen|Kindern in den Fokus.

Die Bilder von Ines Hock sind die unmittelbare, körperliche Erfahrung

von Farbe und Licht. Mit einer auffallenden Konsequenz und einer

Herangehensweise, die gleichsam von Konzept und Zufall geprägt ist,

hat sich die Künstlerin in ihrer Praxis der kon-tinuierlichen Erforschung

von Farbwirkung verschrieben und verortet sich damit im Umfeld der

konkreten Kunst.

Ihre frühen Arbeiten sind monochrom – Farben, Schicht für Schicht

aufgetragen, wachsen den Betrachter*innen entgegen und entfalten

eine leuchtende Präsenz im Raum. Wo sich die Farbe zu Beginn noch

überlagert, reiht sie sich in den Arbeiten der letzten Jahre zusehends

nebeneinander auf. Wie Text auf einem Papier zieht sich hier eine

Vielzahl von Farbfeldern über den Grund, von links oben nach rechts

unten, als würden sie uns eine Geschichte erzählen. Konzentriert

arbeitet sich der Pinsel über die Leinwand, der Buntstift über das

Papier, ein „Abtasten der Fläche“, wie es die Künstlerin nennt.

Dem wohnt stets eine Erfahrung von Zeitlichkeit inne – für Ines Hock

selbst in der Entstehung, wo in präzisen Repetitionen ein Feld, eine

Farbe neben die andere gesetzt wird, wie auch in der längeren Be-

trachtung, in der sich uns ein Gefühl von Zeitlosigkeit offenbart.

Obwohl sie als Individuen auftreten, stehen die Farben nicht isoliert

neben-, sondern unweigerlich in Beziehung zueinander. Sie beein-

flussen sich gegenseitig, verstärken oder beruhigen sich – ihr volles

Potenzial entfaltet sich über ihr Zusammenspiel.

Die akkuraten Felder bricht Ines Hock zusehends auf, lässt die Farben

ineinanderfließen und ungeordnet über dem Grund tanzen. Das macht

sich auch in ihren neueren, speziell für den Raum konzipierten Farb-

interventionen bemerkbar. Hier wird die Malerei zum Gegenstand,

wenn sie auf Folien aufgetragen von der Decke hängt und den gesam-

ten Raum in Farbe taucht. So entsteht eine Malerei, die weniger von

Darstellung als von Wahrnehmung handelt, eine Erfahrung von Farbe

mit allen Sinnen.

Veronika Mehlhart