{"id":4696,"date":"2025-10-04T19:22:38","date_gmt":"2025-10-04T17:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/ineshock.de\/?p=4696"},"modified":"2026-08-08T22:36:50","modified_gmt":"2026-08-08T20:36:50","slug":"colorlights-graphicmoments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ineshock.de\/en\/colorlights-graphicmoments\/","title":{"rendered":"colorlight \u2013 graphicmoments | J. Graf-Bicher"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Ines Hock ist geboren in Wetzlar, dort aufgewachsen, dann in Hannover (Abitur). Studiert in Mainz, in Tuscon, Arizona und D\u00fcsseldorf. Sie hat viele Jahre in K\u00f6ln gelebt und ist mit der dortigen Kunstszene eng vernetzt. Preise und Stipendien haben ihr Arbeiten seit den 80er Jahren gef\u00f6rdert, gro\u00df ist die Zahl der Ausstellungen. Eine wunderbare Einzelausstellung im letzten Jahr in der Villa Zanders in Bergisch-Gladbach gab den letzten Ansto\u00df, ihre Arbeiten ausf\u00fchrlich auch hier in Frechen zu zeigen. Schlie\u00dflich lebt Ines Hock mit ihrem Mann Peter Hochscheid, ebenfalls K\u00fcnstler, seit 2001 in Frechen und ist hier als K\u00fcnstlerin noch wenig \u00f6\ufb00entlich wahrgenommen worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Titel, colorlight \u2013 graphicmoments, benennt gleich den Haupt-Akteur unserer Ausstellung: die Farbe. Und beim Gang durch diese R\u00e4ume ist das auch sofort ersichtlich. Nun hat man es immer mit Farbe zu tun, wenn es um Malerei geht. Und gerade auch in der nicht abbildenden, nicht gegenst\u00e4ndlichen Malerei. Hier ist die Farbe nicht nur ein Mittel, sondern ein wesentlicher Bildgegenstand. Aber auch hier kann die Farbe sehr verschiedene Funkionen \u00fcbernehmen. Wir kennen die gestischen Werke des abstrakten Expressionismus und der informellen Malerei, die mit Farben seelische Prozesse sichtbar machen, wir kennen vielleicht auch die gro\u00dfen Leinw\u00e4nde von Barnett Newman, die uns durch einheitliche Farbfl\u00e4chen das Erhabene an sich vermitteln, oder die vielschichtigen Farb\u00fcberlagerungen von Mark Rothko, die einen Zugang zu spirituellen Erfahrungen scha\ufb00en k\u00f6nnen.<br \/>\nInes Hocks Zugriff ist &#8211; so viel sie von solchen Meistern der Farbe auch gelernt haben mag \u2013 zun\u00e4chst wesentlich sachlicher. Sie erforscht die M\u00f6glichkeiten von Farbe mit scheinbar einfachsten Mitteln. Und tut dabei ein ganzes Spektrum auf &#8211; und damit ist nicht nur im w\u00f6rtlichen Sinn das Spektrum des Sonnenlichts gemeint. Ich m\u00f6chte mit Ihnen dieses forschende Malen und Zeichnen von Ines Hock anhand der hier zu sehenden Arbeiten genauer in den Blick nehmen.<br \/>\nZun\u00e4chst: Wie bringt Ines Hock die Farbe auf die Fl\u00e4che? In kleinsten Einheiten. Als kurze Linie oder kleinen Pinselstrich. Und das in zahlloser Wiederholung. Von links oben angefangen, Zeile f\u00fcr Zeile. Korrekturen ausgeschlossen. Ein strenges Konzept steht am Anfang, darin ist vieles festgelegt: der Malgrund, der Pinsel, die Farben, die Farbpalette. Was aber im Laufe der Durchf\u00fchrung dieser Versuchsanordnung entsteht, ist nur in Teilen geplant und vorhergesehen. Denn jede Setzung ergibt sich aus einer neuen Entscheidung \u00fcber den Gebrauch der Mittel und in jede Entscheidung flie\u00dft das, was schon entstanden ist, mit ein. Das Konzept wird nicht mechanisch umgesetzt, es gibt nur den Rahmen vor, innerhalb dessen das Spiel der Farben seinen Lauf nehmen darf. So entstehen schwebende Strukturen mit feinen Rhythmen von Helligkeiten und dunklen Akzenten, von Farbverwandtschaften und Farbkontrasten, von Parallelen, die sich zu vertikalen Einheiten b\u00fcndeln und wieder aufl\u00f6sen.Ein besonderer Untersuchungsschwerpunkt von Ines Hock gilt dem Verh\u00e4ltnis von Farbe und Linie. In einigen Arbeiten, in den drei leuchten Aquarellen im Eingangsbereich und im \u00d6lgem\u00e4lde an der letzten Wand, sind die Farben mit der ganzen Pinselbreite in klar unterschiedenen Farbformen, die bereits selbst Fl\u00e4chencharakter haben, auf den Untergrund gesetzt. In dem gro\u00dfen Teil der Werke &nbsp;sind es feinste Linien oder Pinselstriche, die erst durch ihre N\u00e4he zueinander, ihre Dichte und auch durch den Abstand beim Betrachten zusammenh\u00e4ngende Farb-und Formkomplexe bilden. Dabei entstehen lichtdurchtr\u00e4nkte Bildr\u00e4ume, die, wie hier in der gro\u00dfen und der kleinen Aquarellzeichnung, &nbsp;Monet\u2019sche Seerosen oder \u00fcberhaupt impressionistische Landschaften in Erinnerung rufen. Verantwortlich f\u00fcr \u201eLicht\u201c ist das genau bemessene Ma\u00df an Freiraum, an Untergrund und Zwischenraum f\u00fcr die einzelnen minimalen Linien- und Farbelemente. Die Leerstellen sind genauso wichtig f\u00fcr das Ganze wie die besetzten Stellen. Feinste Modulationen dieser Verh\u00e4ltnisse tarieren das An- und Abschwellen der Farb- und Lichtwerte aus. Ich kann mir im Moment kein beeindruckenderes Beispiel vorstellen f\u00fcr den ber\u00fchmten Satz des Aristoteles \u201eDas Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Farbe zu Farbe. Schier unbegrenzt sind die Versuchsanordnungen, mit denen Ines Hock die gegenseitige Beeinflussung der Farben, also die \u201aNachbarfarben\u2018&nbsp;erkundet. Was Josef Albers in den strengen Serien seines Werks \u201eInteraction of Color\u201c erarbeitet, das ganz auf das Quadrat abgestellt ist, setzt Ines Hock sozusagen mit leichter Hand und in spielerischer Freiheit fort. Suchen Sie in einer Aquarellzeichnung Elemente von gleichem Farbwert, gleicher Intensit\u00e4t und Helligkeit und beobachten Sie, wie verschieden die Wirkung, sagen wir besser Anmutung jeweils ist, je nach der farbigen Umgebung. Oder lassen sie die Farbkl\u00e4nge auf sich wirken, die von der Serie der malerisch gestalteten Monotypien im letzten Raum oder von der vierteiligen Arbeit \u201eA Thousand Splendid Colors\u201c im zweiten Raum ausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jedes Blatt erschlie\u00dft mit wenigen Farben ungekannte R\u00e4ume und Atmosph\u00e4ren, jedes r\u00fchrt eine andere Seite in uns an. Im zweiten Raum sind einige Werke zusammengestellt, die \u2013 au\u00dfer den erw\u00e4hnten Monotypien &#8211; ausschlie\u00dflich mit der feinen Linie arbeiten und zudem das strenge Prinzip des quasi schreibenden Arbeitens in Linien und Zeilen von links nach rechts verlassen. In diesen Zeichnungen wird nur der Bleistift verwendet, diesmal in einer kreisf\u00f6rmigen Bewegung, die von einer ersten Setzung mitten im Blatt ausgeht und sich zu immer weiteren B\u00f6gen entwickelt, die an strudelndes Wasser erinnern. Der Kontrast zu den Bl\u00e4ttern, die quasi schreibend in geraden Zeilen entstehen, macht deutlich, wie entscheidend die Wahl eines spezifischen Beginns f\u00fcr die Entwicklung einer Arbeit und f\u00fcr ihr Ende ist. Die Spirale auf den genannten Bl\u00e4ttern wirkt wie ein Ausschnitt aus einer sich ins Endlose fortsetzenden T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Ph\u00e4nomen der Zeit, der im Arbeiten nicht etwa vergehenden, sondern produktiv eingesetzten Zeit, ist in diesen Bl\u00e4ttern ablesbar. Ich glaube, sie hat f\u00fcr uns beim Betrachten eine wohltuende Wirkung, weil wir sie als erf\u00fcllte Zeit erleben k\u00f6nnen. Erstaunlich ist auch der Farbreichtum, den diese eigentlich einfarbigen Bl\u00e4tter aufweisen. Auch bei den Radierungen im gleichen Raum ist das zu beobachten. Der feine Strich der Bleistiftzeichnung auf weichem Papier wird fast noch \u00fcbertro\ufb00en von den feinen Linien, die die Radierungen aufweisen. Ines Hock gr\u00e4bt die Linien mit der Radiernadel direkt in die Kupferplatte (kalte Nadel), mit der gleichen Konzentration und Beharrlichkeit wie sie mit dem Bleistift arbeitet. Die Farbnuancen der Graut\u00f6ne, die im Abdruck entstehen, ist durch Nuancen des Plattentons, also der Farbreste, die auf der blank gewischten Kupferplatte an den Stegen haften geblieben sind, noch vielf\u00e4ltiger. Besonders reizvoll sind die Varianten von ein und derselben Platte mit verschiedenen Farben, die frei und experimentierfreudig aufgetragen werden. Bei den Farbradierungen hier im Raum. Hier sind Farbe und Strich in getrennten Arbeitsg\u00e4ngen entstanden und verbinden sich zu schwerelosen, schwebenden Gebilden, die wie Fenster den Blick in heitere Sph\u00e4ren \u00f6\ufb00nen. Die j\u00fcngste Radierung in Gr\u00fcn ist erst vor wenigen Tagen aus der Druckpresse gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Titel unserer Ausstellung, graphic moments, bezeichnet besonders den fl\u00fcchtigen Momente, in dem die flie\u00dfenden Farben mit dem Papier in Ber\u00fchrung kommen und dann im Druck festgehaltenen werden. Ihnen ist sicher aufgefallen, in welcher Vielfalt Ines Hock ihr k\u00fcnstlerisches Tun zu immer neuen Entdeckungen vorantreibt. Wir haben die Aquarelle betrachtet, die \u2013besonders in den drei Bl\u00e4ttern im ersten Raum \u2013 eine strahlende Leuchtkraft entfalten. Von den Zeichnungen und Radierungen mit ihrer Farbf\u00fclle trotz aller Reduktion war gerade die Rede. Auch die Monotypien haben wir erw\u00e4hnt, ohne die Besonderheiten dieser Technik zu erw\u00e4hnen. Hier wird ebenfalls sehr fl\u00fcssige \u00d6lfarbe auf den Druckstock aufgetragen. Dieser besteht aus einer grundierten Faserplatte, die nicht graphisch bearbeitet ist. So kommen hier die malerischen Qualit\u00e4ten der Farbe, ihre Verl\u00e4ufe, \u00dcberlagerungen und Durchmischungen besonders frei zum Tragen. In den letzten Tagen hat sie farbige Folien an den Scheiben der Fenster und T\u00fcren angebracht, die das Hauptthema der Ausstellung, Farbe und Licht, sofort sinnf\u00e4llig machen. Am Tag f\u00e4llt das Sonnenlicht von au\u00dfen in die R\u00e4ume und l\u00e4sst die farbigen Fl\u00e4chen aufleuchten. Abends dringt das Licht der Lampen durch die transparenten Felder nach au\u00dfen und verwandelt unser Haus in eine Art Lampion. Hier muss ich auf gro\u00dfe Werke von Ines Hock hinweisen, die hier gar nicht gezeigt werden k\u00f6nnten. Sie sind als Farbraumarbeiten entstanden, etwa f\u00fcr die evangelische Kirche in <a href=\"https:\/\/ineshock.de\/werke\/nggallery\/spatial-interventions\/radevormwald-2008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Radevormwald<\/a> (2008), f\u00fcr <a href=\"https:\/\/ineshock.de\/werke\/nggallery\/spatial-interventions\/schloss-benrath-2011\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schloss Benrath<\/a> (2011), oder den <a href=\"https:\/\/ineshock.de\/werke\/nggallery\/spatial-interventions\/splendid-colors-2010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Commerzbank- <\/a>Tower in Frankfurt (2009). Farbe und Licht und Raum kommen hier zu einem wahren Schauspiel zusammen und verwandeln die Architektur und die Menschen in ihr. <br \/>\nIm Schaufenster h\u00e4ngt eine kleine Scheibe, die von der Firma Derix, Taunusstein, in handwerklicher Perfektion mit mundgeblasenem gotischem Glas nach Ines Hocks Vorgabe angefertigt wurde. Sie f\u00fchrt uns ihre Kunst noch einmal in allen Facetten vor Augen. Da sind die kleinen Elemente, &#8211; in \u00e4hnlicher Grundform, &#8211; in einfacher Reihung, &#8211; in feinsten Farbabstufungen, &#8211; auf kleiner Fl\u00e4che zusammengef\u00fchrt und entfalten doch ein \u00e4sthetisches Feuerwerk, vor allem morgens zwischen 8 und 10 Uhr bei klarem Himmel. Obwohl dieses Glas von Handwerkern gemacht wurde, zeigt es deutlich die Besonderheiten des Arbeitens von Ines Hock. Sie m\u00fcssen nur beobachten, wie die Rechteckformen variieren, wie die Abst\u00e4nde zwischen den Elementen gr\u00f6\u00dfer oder kleiner sind, wie unterschiedlich die Glasst\u00e4rken gew\u00e4hlt sind. Ines Hock entscheidet sich jeweils f\u00fcr ein klares Konzept, aber die Ausf\u00fchrung ist gepr\u00e4gt vom praktischen Tun von Hand und Kopf, das nie mit Lineal oder Zirkel vor sich geht.<br \/>\n&#8211; Der Druck, die Ruhe oder Unruhe der Hand, die den Stift f\u00fchrt, oder den Pinsel oder die Schere, &#8211; die Weichheit oder H\u00e4rte des Materials, das den Untergrund bildet, &#8211; die Fl\u00fcssigkeit oder Trockenheit der Farbe, &#8211; all das erweitert st\u00e4ndig das gew\u00e4hlte Konzept ohne es zu sprengen. Es \u00f6\ufb00net sich vielmehr f\u00fcr eine unbegrenzte F\u00fclle von Entdeckungen und Erfahrungen. Durch diesen wesentlichen k\u00f6rperlichem und sinnlichem Einsatz pulsiert in den Arbeiten die lebendige Energie des Forschens und Scha\ufb00ens. Dass wir beim Betrachten der Ergebnisse von dieser Energie fasziniert sind, kann man uns nicht verdenken. Vielleicht w\u00fcrde Ines Hock als Ziel ihrer Arbeit nicht angeben, dass sie die Betrachter gl\u00fccklich machen will. Aber sie hat sicher nichts dagegen, wenn sich Gl\u00fcck als Nebenprodukt f\u00fcr uns einstellt. Kunstwissenschaftlerin, &nbsp;Dr. Jenny Graf-Bicher<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ines Hock ist geboren in Wetzlar, dort aufgewachsen, dann in Hannover (Abitur). Studiert in Mainz, in Tuscon, Arizona und D\u00fcsseldorf. [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-4696","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.4","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4696"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5368,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4696\/revisions\/5368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}