{"id":360,"date":"2022-06-22T13:01:27","date_gmt":"2022-06-22T11:01:27","guid":{"rendered":"https:\/\/ineshock.de\/\/?p=360"},"modified":"2022-07-28T23:07:18","modified_gmt":"2022-07-28T21:07:18","slug":"a-thousand-splendid-colors-sabine-mueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ineshock.de\/en\/a-thousand-splendid-colors-sabine-mueller\/","title":{"rendered":"A thousand splendid Colors | Sabine M\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p>One could not count the moons that shimmer on her roofs&nbsp;or the thousand splendid suns that hide behind the walls&nbsp;(Saib-e-Tabrizi, 17. Jhd.)<\/p>\n<p>Die Malerin Ines Hock (geboren 1960) entwickelt ihr k\u00fcnstlerisches Werk in Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Wahrnehmungsph\u00e4nomenologie. Die Grundlagen unserer sinnlichen Eindr\u00fccke liegen in der Funktion unserer Sinnesorgane und der neuronalen Weiterverarbeitung ihrer Reize auf der einen Seite,&nbsp;aber eben auch in den Gegenst\u00e4nden der uns umgebenden Welt. Deren Betrachtung ist untrennbar mit der Bewegung des K\u00f6rpers und dessen r\u00e4umlichem Empfinden verbunden. Nach einer ganzen Reihe von malerischen Interventionen im Raum wie im Kunsthaus Wiesbaden (2007) und in der evangelisch-reformierten Kirche Radevormwald (2008) sieht auch der Entwurf f\u00fcr die Frankfurter Commerzbank Plaza die Vitalisierung der Architektur durch eine Malerei vor, die in der Lage ist, die unterschiedlichen Facetten des Wahrnehmungsprozesses aus dem Bereich des Unbewussten in die Ebene des reflektierten Bewusstseins zu holen.<\/p>\n<p>Hock arbeitet mit gestischen Pinselschw\u00fcngen in leuchtenden, transluziden Farben. Als Tr\u00e4ger dient eine transparente Folie, aus der die einzelnen, zum Oval geschlossenen \u201ePinselstriche\u201c nach dem Trocknen aus geschnitten und auf W\u00e4nden und Glasfronten angebracht werden. Durch die Lichtdurchl\u00e4ssigkeit wird die Leuchtkraft der Farbe gesteigert. Aber auch die Struktur der Pinselspurentritt durch den Hinterglaseffekt kontrastreich, fast reliefartig hervor. Diese verbl\u00fcffend plastische Wirkung verst\u00e4rkt den Eindruck einer vibrierenden, vielfarbig schillernden Oberfl\u00e4che. Ines Hock nennt diese einzelnen Elemente, die sie mal locker auf der Fl\u00e4che verteilt, mal zu Gruppen zusammenf\u00fcgt, \u201eIndividuals\u201c, womit ihre unabh\u00e4ngige Wesensart treffend charakterisiert wird. Sie scheinen sich vom Tr\u00e4germaterial zu l\u00f6sen, und mal wie ein kaum zu b\u00e4ndigender Schwarm rotierender Ellipsen den Raum zu umkreisen, mal zu dichten Konglomeraten zusammengeballt ihr eigenes Zentrum zu bilden. Auch im Falle von \u00dcberschneidungen lassen sich die einzelnen Konturen trotz der D\u00fcnnh\u00e4utigkeit letztlich rekonstruieren: Die Farbfelder der Einzelformen verschmelzen niemals endg\u00fcltig miteinander. Ihre Anordnung wirkt ebenso selbstverst\u00e4ndlich wie fl\u00fcchtig, wie ein erstarrter Moment aus dem Ablauf eines raumdurchmessendenTanzes.<\/p>\n<p><strong>The thousand splendid colors<\/strong> spiegeln den von der Architektur diktierten Rhythmus der str\u00f6menden Menge unter der Kuppel in einer r\u00e4umlich und \u00e4sthetisch \u00fcberh\u00f6hten Form. Sie markieren die licht-durchl\u00e4ssige Membran der Commerzbank Plaza, dabei geh\u00f6ren sie weder eindeutig zum Au\u00dfenraum noch zum Innenraum \u2013 wie die Plaza selbst. Die gitterartige Struktur der Dachkonstruktion wird aufgebrochendurch Kreisformen, die \u00e4hnlich wie Himmelsk\u00f6rper \u00fcber dem Horizont zu schweben scheinen. In den Ma\u00dfstab des Gesellschaftlichen \u00fcbertragen, visualisiert sich hier das utopische Modell einer begl\u00fcckenden Architektur, wie es von Saib-e-Tabrizi in einem alten Text \u00fcber die ehemals bl\u00fchende Hauptstadt Afghanistans, Kabul, heraufbeschworen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>One could not count the moons that shimmer on her roofs&nbsp;or the thousand splendid suns that hide behind the walls&nbsp;(Saib-e-Tabrizi, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":true,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=360"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":846,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions\/846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}