{"id":3049,"date":"2023-09-17T21:38:46","date_gmt":"2023-09-17T19:38:46","guid":{"rendered":"https:\/\/ineshock.de\/?p=3049"},"modified":"2023-09-17T22:31:16","modified_gmt":"2023-09-17T20:31:16","slug":"partita-des-couleurs-gabriele-uelsberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ineshock.de\/en\/partita-des-couleurs-gabriele-uelsberg\/","title":{"rendered":"Partita des Couleurs | Gabriele Uelsberg"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Ku\u0308nstlerin Ines Hock gestaltete im letzten Jahr den Kunstverein in Linz am Rhein in eine beeindruckende Farbraumskulptur um, die die Besucherinnen und Besucher gleich in das Erlebnis miteinschloss. Die Ra\u0308umlichkeiten des Linzer Kunstvereins, die durch ihre doppelte Schaufensterfront und den lichten Eingangsbereich sowie teilweise durch Oberlichtfenster eine eigene Mischung an Tageslicht, manchmal Sonnenschein und Kunstlicht beinhaltet, wurde durch die von Ines Hock ge- stalteten Malereien auf Folien in ein Gesamtkunstwerk verwandelt. Die Folienarbeiten, die sie von der Decke abha\u0308ngte, waren so im Raum verteilt, dass die Besucherinnen und Besucher zwischen den Bildern und damit in der puren Farbigkeit umherwanderten. Aber das Ereignis startete bereits vor dem Kunstverein. Wenn man auf dem Marktplatz in Linz ankam, leuchtete durch die nach au\u00dfen gerichteten Schaufenster des Kunstvereins die Farbe bereits mit Macht in den Au\u00dfenraum und lud ein, dieses Farbvolumen im Innern zu erleben.<\/p>\n<p>Ines Hocks Malerei erschafft Gema\u0308lde, die mittlerweile nicht mehr dem klassischen Tafelbild entsprechen, sondern als Bildobjekte den Raum im Inneren wie den umgebenden Raum in der Architektur vera\u0308ndern und bisweilen auch den Au\u00dfenraum u\u0308ber Fenster und O\u0308ffnungen infiltrieren. <br \/>\nInes Hock arbeitet dabei mit den Eigenschaften und Mo\u0308glichkeiten von Farbe im Dialog mit dem verwendeten Bildtra\u0308ger. Nachdem sie sich lange Zeit mit dem klassischen Leinwandbild oder auch dem Aquarell und dem Papier auseinandergesetzt hat, entwickelt sie in der ju\u0308ngsten Zeit ihre Malereien auf transparenten Folien. Ines Hock knu\u0308pft mit ihren Werken an fru\u0308here Leinwandbilder aus den neunziger Jahren an, die allerdings noch ganz klassisch mit dem Bildtra\u0308ger eng verbunden sind. Diese a\u0308lteren Arbeiten sind in unterschiedlichen Prozessen und durch langwierige malerische Schritte und Schichtungen entstanden, die sie nun mit der Arbeit auf den Folien gleichsam in einen unabschlie\u00dfbaren Vorgang der Wahrnehmung u\u0308bertra\u0308gt.<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, in dem ihre Bildfolien in den Raum geha\u0308ngt sind und so den Betrachter in ein Gesamtkunstwerk einladen, in dem er sich bewegt und durch seine eigene Ko\u0308rperlichkeit die Bilder vera\u0308ndert, neu sieht und immer wieder seinen Betrachter-Standpunkt wechselt, entsteht ein Kanon uneingeschra\u0308nkter Farbigkeit, der die Malerei in ihren unterschiedlichen Gewichtungen als materielle wie immaterielle Erscheinung erleben la\u0308sst. Bemalte und scheinbar unbemalte Fla\u0308chen entwickeln ein eigenes System von Farben, Strukturen und Dichtigkeiten, die die Bilder selbst fast wie Skulpturen wirken lassen. Die Transparenz der Folie ist nicht nur ein neutraler Hintergrund der Malerei, sondern tritt als solcher faktisch nicht in Erscheinung, au\u00dfer wenn \u2013 wie bereits beschrieben \u2013 die Folien zu Spiegelungen und Reflektionen dienen. Die Malerei verwickelt den Betrachter in ein Labyrinth von Seh-Erlebnissen.<\/p>\n<p>Ines Hock gelingt es, Orte der Farbe zu evozieren, die scheinbar im Raum selbst fassbar werden und sich von ihrem eigentlichen Bildtra\u0308ger vollsta\u0308ndig abgelo\u0308st haben. Die Farbe ist sta\u0308ndig in einem Zustand der Verwandlung. Damit gelingt es ihr auch, die natu\u0308rlichen Konditionen des Raumes mit einzufangen. Die unterschiedliche Wahrnehmung der Farbtemperaturen treten in besonderem Ma\u00dfe in Erscheinung und ermo\u0308glichen es, an einem Wechselbad von kalten und warmen Farberlebnissen zu partizipieren. Es gelingt ein stetiges Zusammenspiel von Gegensa\u0308tzen und Kontrasten. Farbfla\u0308chen harmonieren und konkurrieren miteinander und lo\u0308sen neue Wahrnehmungen aus. Die Bildobjekte schaffen Farbbilder, die ko\u0308rperlos im Raum schweben und sich in entstofflichter Form immer wieder neu konstituieren. Der Wechsel des Tageslichtes, der Wechsel der Blickachsen und das unterschiedliche Zusammenspiel der Farbigkeiten wird zum u\u0308bergreifenden Gesamtbild.<\/p>\n<p>Ines Hock spielt in der Ausstellung in Linz auch mit Distanzen, indem sie bei den Bildern, die nicht frei im Raum ha\u0308ngen, sondern an den Wandfla\u0308chen zu finden sind, einen Abstand zur Wandfla\u0308che vorgibt und damit einen Luftraum hinter dem Farbraum bildet, so dass auch hier die Farbigkeit vor der Wand und im Raum schwebt. Im hinteren Bereich der Pra\u0308sentation, zeigt sie eine ihrer Videoarbeiten, in der ihre thematische Zuordnung zu Natur und Biologie erfahrbar wird und in dem ein Prozess aus der Natur gleichsam in ein farbiges Erlebnis gewandelt wird. Das Video \u201eMy Colors for You\u201c arbeitet mit der Farbabfolge der verschiedenen Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Gru\u0308n, die aus Bildern der Natur \u2013 wie einer Blume \u2013 entwickelt sind.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Der Duktus der Malerei ist in diesen Arbeiten auf Folie durchaus gestisch expressiv geworden, und wir erkennen den Pinselstrich und die Struktur der Setzung. Dieses besondere Spiel mit den stofflichen Eigenschaften der Farbpigmente ermo\u0308glicht der Farbigkeit eine noch sta\u0308rkere Dominanz von dem Bildtra\u0308ger selbst. Wichtig ist in diesem Kontext, dass die Folienbilder letztlich keine Ru\u0308ckseiten haben, sondern von beiden Seiten unterschiedlich betrachtet werden ko\u0308nnen. Nicht nur die Spiegelbildlichkeit des Bildes im Raum tritt dabei in Erscheinung, sondern auch der Umstand, dass die Folie auf der hinteren Bildseite wie ein Schutzlack die Farbigkeit u\u0308berdeckt und hier die Spiegelungen und Reflektionen ganz deutlich werden, wa\u0308hrend auf der gegenu\u0308berliegenden Seite die Farbe auf die glatte Folie gesetzt ist und hier die Farbmaterie den Folienglanz u\u0308berdeckt und stofflicher wahrgenommen wird. Diese Doppelansicht von Vorder- und Ru\u0308ckseite, die sich in den Raum integriert, la\u0308sst den Betrachterinnen und Betrachtern die Freiheit, von jedem Standpunkt aus ein anderes und neues Bild zu gewinnen. Ines Hock gelingt so eine Wirkung von Malerei und Farbe, die sich gleichsam in den Raum ergie\u00dft und einen Ort zwischen Betrachter und Malerei schafft, der unabha\u0308ngig vom Bildtra\u0308ger ist.<\/p>\n<p>Wie au\u00dfergewo\u0308hnlich und radikal dieses Kunstkonzept ist, belegen auch Fotos aus der Ausstellung, die die Spiegelung der farbigen Bilder durch das Sonnenlicht zeigen, das u\u0308ber die Fensterscheiben der Schaufenster hereinfa\u0308llt. Jetzt entstehen farbige Bilder auf dem Boden \u2013 durch die Folien projiziert, wobei sich hier auch mehrere Bilder und Ansichten u\u0308berlagern und eine Farbkomposition auf das Parkett des Ausstellungsraumes zaubert, die an die Umkehrung aller Naturgesetze denken la\u0308sst, als ob sich im Boden farbige Glasfenster nach drau\u00dfen o\u0308ffnen wu\u0308rden.<\/p>\n<p>Ines Hock hat ihre ku\u0308nstlerische Arbeit mit dieser Installation in Linz am Rhein erweitert. Mit der Zuordnung der Farbe zu einem Malgrund, der selbst kaum in Erscheinung tritt, wirkt die Farbe als Materie, als Pinselstrich und als Dichte und wird von allen Seiten erfahrbar. Mit den Gestaltungen auf Folie verla\u0308sst die Malerei ihren angestammten Ort auf der Bildfla\u0308che und ent- wickelt sich als immaterielles-materielles Konstrukt gleichsam in der Luft und umfa\u0308ngt die Betrachterinnen und Betrachter, so dass ein unendliches Kontinuum an Farbsensationen entsteht.<\/p>\n<p>Dr. Gabriele Uelsberg<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Vorsitzende der Gesellschaft fu\u0308r Kunst und Gestaltung, Bonn<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ineshock.de\/partita-des-couleurs-2022\/\">Bilder zur Ausstellung<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ku\u0308nstlerin Ines Hock gestaltete im letzten Jahr den Kunstverein in Linz am Rhein in eine beeindruckende Farbraumskulptur um, die [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3049","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3049"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3081,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3049\/revisions\/3081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}