{"id":2023,"date":"2022-08-18T14:17:35","date_gmt":"2022-08-18T12:17:35","guid":{"rendered":"https:\/\/ineshock.de\/\/?p=2023"},"modified":"2023-10-25T16:35:53","modified_gmt":"2023-10-25T14:35:53","slug":"die-poesie-der-farben-cornelieke-lagerwaard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ineshock.de\/en\/die-poesie-der-farben-cornelieke-lagerwaard\/","title":{"rendered":"Die Poesie der Farben | Cornelieke Lagerwaard"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;| <a href=\"https:\/\/ineshock.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Farbe-Pur-Katalog.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Farbe Pur<\/a>, Museum St. Wendel, 2005<\/p>\n<p>\u00bbFarbe Pur\u00ab nennt sich die Ausstellung von Ines Hock in St. Wendel, und tats\u00e4chlich konzentriert sich der Blick ganz auf den besonderen Reiz, die spezifische Wirkung einzelner Farben und auf die Wirkung der Farbe als Farbfl\u00e4che und Farbraum. Die Bilder der K\u00fcnstlerin stehen ganz in der Tradition einer Malerei, die sich seit etwa 100 Jahren vordergr\u00fcndig mit formellen Aspekten auseinandersetzt. Bis zur Erfindung der Fotografie hatte die Malerei die Aufgabe, Abbildungen im wahrsten Sinne des Wortes zu erstellen. Es war ihr Ziel, der Darstellung einen m\u00f6glichst hohen Wiedererkennungswert zu verleihen. Sp\u00e4ter \u00e4nderte sich dies. Nun war die Malerei gezwungen, sich eine neue Aufgabe zu suchen. In diesem Bem\u00fchen r\u00fcckte die Thematisierung der eigenen bildnerischen Mittel relativ fr\u00fch in den Vordergrund: die Wirkung der Farbe und die Zweidimensionalit\u00e4t der Bildfl\u00e4che wurden wichtiger. Das \u00bbperfekte Bild\u00ab bedeutet nur sich selbst.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Konkurrenz der Fotografie hat die Besch\u00e4ftigung der Maler mit der Wirkung von Farben angeregt. Bereits vor 300 Jahren wurden sie von der Farbentheorie Isaac Newtons beeinflusst, die dieser 1704 in seinem Buch \u00bbOptics\u00ab ver\u00f6ffentlicht hatte. Newton hatte entdeckt, dass das wei\u00dfe Licht nicht einfach, das farbige nicht komplex war. Er konnte nachweisen, dass das wei\u00dfe Licht durch eine Mischung farbiger Lichtkomponenten entsteht \u2013 aus brechbaren Strahlen. Doch einflussreicher war die etwa 100 Jahre sp\u00e4ter, von Johann Wolfgang von Goethe entwickelte Farbenlehre, der davon \u00fcberzeugt war, dass Newton sich geirrt habe. In seinen \u00bbBeitr\u00e4gen zur Optik\u00ab versuchte er die Postulate der Newton&#8217;schen Theorie zu widerlegen. Nat\u00fcrlich irrte nicht Newton, sondern Goethe. Aber es ist nicht die Frage, wer sich geirrt hat, sondern vielmehr die, wie erfolgreich eine Theorie ist. Grunds\u00e4tzlich hatte Newton recht mit seinen physikalischen Erkl\u00e4rungen, aber Goethe lehnte eine solche Betrachtungsweise ab, weil f\u00fcr ihn die Betrachtung der Natur als Einheit wichtig war. In seinen Studien untersuchte er nicht nur die Wirkungen des Lichts auf das menschliche Auge (und versuchte so dem Wesen des Lichts n\u00e4her zu kommen), sondern er bezog das menschliche Auge als aktiven Faktor mit ein: die Frage nach der lebendigen Beziehung zwischen dem menschlichen Auge und dem Licht. Goethes \u00bbZielgruppe\u00ab waren die Maler: Er wollte durch sein Werk ein neues Verh\u00e4ltnis zur Farbe schaffen. Aber im Grunde genommen kann man die Theorien Newtons und Goethes nicht miteinander vergleichen \u2013 Goethes Farbenlehre ist keine physikalische Theorie der Beschreibung des Wesens des Lichtes, sondern eine Theorie der Sinneswahrnehmung von Licht und Farben. Letztere gewann gro\u00dfen Einfluss. Wenn wir z.B. an William Turner oder an die Impressionisten denken, dann w\u00e4re eine solche \u00bbMalerei des Lichts\u00ab ohne diese Theorie \u00fcber eine neue Weise des Sehens (subjektive Wahrnehmung, Empfindungen) kaum m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Ines Hock ist nicht nur das Zusammenspiel von Farbe und Licht, sondern auch die menschliche Wahrnehmung essentiell. Sehen bedeutet: Mit dem Auge f\u00fchlen \u2013 ganz im Sinne Goethes. Die \u00e4lteren Bilder in der Ausstellung thematisieren die Wirkung einer einzelnen Farbe. Diese ist so \u00bbmassiv\u00ab aufgetragen, dass sich die Realit\u00e4t der Bildk\u00f6rper mit der eigenst\u00e4ndigen Pr\u00e4senz der reinen Farbe vermischt. Dagegen l\u00f6st sich die Farbe in den j\u00fcngeren Arbeiten fast auf: Unter einer \u00bbHaut\u00ab von Licht malt die K\u00fcnstlerin weiche Farben \u2013 manchmal verwandte, aber durchaus auch kontrastierende \u2013 in Formen, die bei dem Betrachter Assoziationen an Wolken oder Wasserspiegelungen hervorrufen. In einigen Bildern sind Spuren von Pinselstrichen sichtbar, in anderen wiederum ist die Oberfl\u00e4che glatt und samtig. Die Strenge, die die monochrome Malerei meistens auszeichnet, ist jetzt verschwunden; die Bilder haben, trotz der minimalistischen Formensprache, eine lyrische, pers\u00f6nliche Qualit\u00e4t. Sie sind eine subjektive Antwort auf die fast wissenschaftlichen Paradigmen, die sich im Bereich der \u00bbformellen\u00ab Kunst im Laufe der Zeit herauskristallisiert haben.<\/p>\n<p>\u00bbFarbe Pur\u00ab \u2013 dieser Titel wird den schwarz-wei\u00df Zeichnungen der K\u00fcnstlerin nat\u00fcrlich nicht gerecht. Doch \u00bbpur\u00ab sind sie: Statt der Systematik der Farbe thematisieren sie die der Linie, und ebenso die menschliche Wahrnehmung, insbesondere die der Tiefe. Die Erkenntnis, dass ein \u00bbBild\u00ab weder eine Illusion noch eine zweidimensionale Fl\u00e4che ist, gilt sowohl f\u00fcr die Zeichnungen als f\u00fcr die Gem\u00e4lde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;| Farbe Pur, Museum St. Wendel, 2005 \u00bbFarbe Pur\u00ab nennt sich die Ausstellung von Ines Hock in St. Wendel, und [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2023"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3295,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2023\/revisions\/3295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}