{"id":2020,"date":"2022-08-18T14:17:02","date_gmt":"2022-08-18T12:17:02","guid":{"rendered":"https:\/\/ineshock.de\/\/?p=2020"},"modified":"2022-08-18T14:17:02","modified_gmt":"2022-08-18T12:17:02","slug":"disegno-interno-andrea-sinzel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ineshock.de\/en\/disegno-interno-andrea-sinzel\/","title":{"rendered":"\u00bbdisegno interno\u00ab | Andrea Sinzel"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;| Farbe Pur, Museum St. Wendel, 2005<\/p>\n<p>Betrachtet man die Zeichnungen von Ines Hock, so vermitteln sie eine \u00e4hnlich fragile Gestimmtheit und meditative Atmosph\u00e4re, die auch ihre Malerei charakterisiert. Zarte, horizontale und gelegentlich auch vertikale Bleistiftstriche \u00fcberziehen das Papier und lassen mal verdichtete, mal freiere Partien entstehen, die unendlich fortsetzbar scheinen. Das, was das Auge wahrnimmt, bleibt jedoch so fl\u00fcchtig und zur\u00fcckhaltend, als w\u00fcrden die Linien in einem steten Wechsel entschwinden und im n\u00e4chsten Augenblick wieder auftauchen. So bleiben ihre Zeichnungen r\u00e4tselhaft und indifferent, da jeder Versuch, sie eindeutig begrifflich zu fassen, ins Leere l\u00e4uft.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Bildsprache der Zeichnungen treten ebenfalls Analogien zur Malerei zu Tage. W\u00e4hrend ihre fr\u00fchen Zeichnungen \u00fcberwiegend aus klaren und kr\u00e4ftigen Linien bestehen, die gelegentlich sogar gebogen und gekr\u00fcmmt werden, zeigen die sp\u00e4teren Werke zumeist eine fl\u00e4chige Verschr\u00e4nkung von unz\u00e4hligen Strichlagen und komplexen Liniengef\u00fcgen. Ihre Arbeitsweise \u00e4hnelt hierbei dem Vorgang des Schreibens: Linien werden linear auf der Fl\u00e4che organisiert und f\u00fcgen sich zu horizontalen bzw. gitterartigen Strukturen. Anders als beim Schreiben verleiht Ines Hock der Eigenfarbigkeit des Blattes jedoch eine besondere Bedeutung. Durch das bewusste Freilassen einzelner Partien des Papiers entsteht ein augenf\u00e4lliger Kontrast zwischen dem hellen Ton des Grundes und den dunkleren Bleistiftspuren, der sich als zeichnerisches Pendant f\u00fcr Licht und Schatten lesen l\u00e4sst. In dieser differenzierten Verzahnung von Linie und Grund und in eben dieser Pr\u00e4sentation der hellen, vom Zeichenstift unber\u00fchrten Fl\u00e4chen wird \u2013 mit zeichnerischen Mitteln \u2013 Helligkeit und Leichtigkeit visualisiert.<\/p>\n<p>Hieran erweist sich erneut, dass sich Zeichnung und Malerei bzw. Malerei und Zeichnung im Werk von Ines Hock strukturell entsprechen. In welcher Beziehung aber stehen diese beiden Medien? Wie k\u00f6nnen zwei so grundverschiedene Ausdrucksformen \u2013 hier ausschlie\u00dflich Farbe, dort ausschlie\u00dflich Linie \u2013 so verbl\u00fcffend verwandte Effekte hervorrufen?<\/p>\n<p>Folgt man der Aussage von Giorgio Vasari, ist die \u00bbZeichnung (disegno) der Vater unserer drei K\u00fcnste\u00ab und somit die Grundlage f\u00fcr Architektur, Skulptur und Malerei. Er interpretierte das Zeichnen zum einen als praktische Darstellung, als Technik, und zum anderen als intellektuelles Verm\u00f6gen im Sinne der \u00bbanschaulichen Klarlegung der Vorstellung\u00ab. Diese beiden, bei Vasari noch ungetrennten Modi des Zeichnens, wurden in der Kunsttheorie wenig sp\u00e4ter in eine innere und eine \u00e4u\u00dfere Zeichnung (disegno interno und disegno esterno) geschieden. Die innere Zeichnung repr\u00e4sentiert das geistige Konstrukt des auszuf\u00fchrenden Kunstwerks, den Ursprung und die eigentliche k\u00fcnstlerische Vision. Die \u00e4u\u00dfere Zeichnung l\u00e4sst sich demgegen\u00fcber als konkrete Umsetzung bezeichnen, in der das jeweilige Konzept anschaulich Gestalt gewinnt.<\/p>\n<p>Wendet man nun Begriff des disegno interno auf das zeichnerische Werk von Ines Hock an, so wird die Tragweite ihrer Papierarbeiten deutlich. In den Zeichnungen ist all das formuliert und enthalten, was Ines Hock in ihrer Malerei variationsreich aufgreift und umsetzt. Licht- und Schattenwirkung, die rhythmische Fl\u00e4chenbehandlung und die scheinbar m\u00fchelos erzielte, harmonisch und atmosph\u00e4risch dichte Gesamtgestaltung ihrer Kunst nehmen hier ihren Ursprung. Insofern kann man ihre Zeichnungen als geistiges Substrat ihrer gesamten k\u00fcnstlerischen Arbeit bezeichnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;| Farbe Pur, Museum St. Wendel, 2005 Betrachtet man die Zeichnungen von Ines Hock, so vermitteln sie eine \u00e4hnlich fragile [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2020"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2022,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2020\/revisions\/2022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ineshock.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}