Was man mit sch trägt | Veronika Mehlhart

Die Bilder von Ines Hock sind die unmittelbare, körperliche Erfahrung von Farbe und Licht. Mit einer auffallenden Konsequenz und einer Herangehensweise, die gleichsam von Konzept und Zufall geprägt ist, hat sich die Künstlerin in ihrer Praxis der kontinuierlichen Erforschung von Farbwirkung verschrieben und verortet sich damit im Umfeld der konkreten Kunst.

Ihre frühen Arbeiten sind monochrom – Farben, Schicht für Schicht aufgetragen, wachsen den Betrachter*innen entgegen und entfalten eine leuchtende Präsenz im Raum. Wo sich die Farbe zu Beginn noch überlagert, reiht sie sich in den Arbeiten der letzten Jahre zusehends nebeneinander auf.
Wie Text auf einem Papier zieht sich hier eine Vielzahl von Farbfeldern über den Grund, von links oben nach rechts unten, als würden sie uns eine Geschichte erzählen.
Konzentriert arbeitet sich der Pinsel über die Leinwand, der Buntstift über das

Papier, ein „Abtasten der Fläche“, wie es die Künstlerin nennt.

Dem wohnt stets eine Erfahrung von Zeitlichkeit inne – für Ines Hock selbst in der Entstehung, wo in präzisen Repetitionen ein Feld, eine Farbe neben die andere gesetzt wird, wie auch in der längeren Betrachtung, in der sich uns ein Gefühl von Zeitlosigkeit offenbart.

Obwohl sie als Individuen auftreten, stehen die Farben nicht isoliert neben-, sondern unweigerlich in Beziehung zueinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig, verstärken oder beruhigen sich – ihr volles Potenzial entfaltet sich über ihr Zusammenspiel.

Die akkuraten Felder bricht Ines Hock zusehends auf, lässt die Farben ineinander-fließen und ungeordnet über dem Grund tanzen.
Das macht sich auch in ihren neueren, speziell für den Raum konzipierten Farb-

interventionen bemerkbar. Hier wird die Malerei zum Gegenstand, wenn sie auf Folien aufgetragen von der Decke hängt und den gesamten Raum in Farbe taucht. So entsteht eine Malerei, die weniger von Darstellung als von Wahrnehmung handelt, eine Erfahrung von Farbe mit allen Sinnen.

Veronika Mehlhart

 

 

Was man mit sich trägt | Veronika Mehlhardt | Text 2026